Inhalt:
Beide Kunstmärchen, „Der blonde Eckbert“ (1797) und „Der Runenberg“(1804) repräsentieren den seltenen Typ des tragischen Märchens
mit einer spezifisch romantischen Existenzproblematik. Der
Held sucht vergebens mit Hilfe geheimnisvoller Mächte sein Glück
zu erlangen. Die Natur erscheint als leeres, Schauder erregendes
Chaos, die Welt hat dämonischen Charakter. Wer das Wunderbare,
die verborgenen Urgeheimnisse aufzudecken oder gar materiell zu
verwerten versucht, den verweisen die Götter in seine Grenzen und
schlagen ihn mit Wahnsinn.
„In diesem Naturmärchen“, schreibt Tieck, „mischt sich das Liebliche
mit dem Schrecklichen, das Seltsame mit dem Kindischen, und verwirrt
unsere Phantasie bis zum poetischen Wahnsinn, um diesen selber
nur in unserem Inneren zu lösen und frei zu machen.“
Die Märchen sind zugleich Dokumente gegen die heute vielfach falsche
Einschätzung der deutschen Romantik als einer Zeit heiterer
Realitätsferne. Zugleich lassen sie aber erahnen, worin das wiedererwachte
große Interesse an der Romantik besteht.
Unverkennbar sind die Parallelen, die in einer intensiven Suche nach
einer neuen individuellen und gesellschaftlichen Identität bestehen,
im Erahnen der Begrenztheit menschlicher Erkenntnisfähigkeit,
schließlich in der Ehrfurcht vor den letztenWundern und Geheimnissen
des Lebens.
Der Sprecher Reiner Unglaub hat sich inbesondere als Interpret der
deutschen Romantik einen unbestrittenen Namen gemacht. Es sei
hier an seine „Hyperion“-Lesung von Hölderlin bzw. an die des „Taugenichts“
von Eichendorff, bzw. an seine Lesung des großartigen
Werks von Novalis „Heinrich von Ofterdingen“ erinnert.
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