Inhalt:
»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.« So lapidar und nüchtern wird eine unheimliche Verwandlung konstatiert. Gregor Samsa gerät über seine neue Existenzform zunächst kaum ins Staunen, halb unwillig möchte er sie als Einbildung abtun: »›Wie wäre es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten vergäße‹, dachte er.« Ins Staunen gerät er zunächst eher darüber, daß er seinen auf vier Uhr gestellten Wecker nicht gehört hat: »Ja, aber war es möglich, dieses möbelerschütternde Läuten ruhig zu verschlafen?« Es war möglich, denn Gregor Samsa wollte gar nicht rechtzeitig aufwachen, auch wenn ihm das so klar nicht bewußt wird: » ›Ach Gott‹, dachte er, ›was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tagaus, tagein auf der Reise (. . .) ein immer wechselnder, nie andauernder, nie herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll das alles holen!‹« Das sind die Gedanken Gregors kurz nach dem Erwachen – und sie müssen wohl auch in seinen »unruhigen Träumen« ihr Wesen getrieben und sein Verschlafen herbeigeführt haben. Gregor protestiert gegen seine Lebensweise als Reisender, und der Protest drückt sich sinnfällig in seiner Verwandlung zum Käfer aus, die ihn für jede Reisetätigkeit untauglich macht. Das revoltierende Unbewußte hat sich eine äußere Gestalt geschaffen.Eins der Meisterwerke von Frank Kafka, gesprochen von dem bekannten Rundfunk- und TV-Sprecher Rainer Maria Ehrhardt
